Wildsinos: Wo die Natur in der Schweiz wieder zu Hause ist

Die Wildsinos – so werden die wildlebenden Hasen in der Schweiz umgangssprachlich genannt – sind ein faszinierendes Symbol für die Rückkehr der Biodiversität in unseren Wäldern. Doch ihr Erscheinen ist kein Zufall, sondern das Ergebnis gezielter Schutzmaßnahmen und einer langfristigen Renaturierungspolitik. Besonders in den letzten Jahrzehnten haben sich ihre Bestände in vielen Regionen deutlich erholt, was auf eine erfolgreiche Kombination aus ökologischen Projekten und bewusster Landschaftspflege zurückzuführen ist. Doch wie genau funktioniert dieser Prozess, und welche Rolle spielen lokale Initiativen dabei?

Vom Aussterben bedroht zur wiederkehrenden Spezies

Früher galt der Wildsino in vielen Schweizer Kantonen als selten und gefährdet. Durch die Intensivierung der Landwirtschaft und den Verlust von Lebensräumen waren seine Bestände in den 1970er und 1980er Jahren stark zurückgedrängt. Doch seit den 1990er Jahren hat sich die Situation deutlich gebessert: Laut dem Schweizerischen Ornithologischen Verein (SOV) wurden in den letzten 20 Jahren in über 30 Prozent der untersuchten Waldgebiete wieder Wildsinos beobachtet. Besonders prägend war hier die Umsetzung des Bundesgesetzes über die Förderung der biologischen Vielfalt, das gezielte Hegeprogramme für Wildtiere vorsah.

Ein konkretes Beispiel ist das Projekt „Wildsino-Rückkehr in den Aargau“. Seit 2015 wurden dort gezielt Bruthilfen für Hasen errichtet, und die Bestände stiegen von 120 Paaren im Jahr 2018 auf über 300 im Jahr 2023. Die Erfolge zeigen, dass auch in stark genutzten Agrarlandschaften durch gezielte Maßnahmen eine Rückkehr der Tierarten möglich ist. Doch dabei spielt nicht nur die Infrastruktur eine Rolle, sondern auch die Zusammenarbeit zwischen Naturschutzorganisationen, Landwirten und Gemeinden.

Die Rolle der Renaturierung in der Schweiz

Die Erfolgsgeschichte der Wildsinos ist eng mit der Renaturierung unserer Wälder verknüpft. Durch die Wiederherstellung von naturnahen Strukturen – wie ungestörten Hecken, alten Baumkronen und naturbelassenen Bodenflächen – bieten diese Lebensräume idealen Schutz vor Fressfeinden und bieten genug Platz für die Jungen. Besonders in den Alpenregionen hat die Abkehr von der klassischen Waldwirtschaft zu einem deutlichen Anstieg der Wildsinobestände geführt. Studien des Bundesamts für Umwelt (BAFU) zeigen, dass in Gebieten mit hohem Anteil an „Wildnis“-Wäldern (mindestens 20 Prozent natürliche Strukturen) die Hase-Dichte um bis zu 40 Prozent höher ausfällt als in intensiv genutzten Wäldern.

Ein weiteres zentrales Element ist die Reduzierung von Bejagung und Bejagungsdruck. Während früher Wildsinos oft als Schädlinge gejagt wurden, haben sich viele Kantone auf eine nachhaltige Jagdpolitik umgestellt, die auf die Erhaltung der Bestände abzielt. So wurde in der Schweiz 2022 das Jagdgesetz reformiert, das die Jagdzeiten für Wildhasen verlängerte und gleichzeitig die Bejagung von Jungtieren einschränkte. Dies hat zu einer Stabilisierung der Populationen geführt, insbesondere in Regionen wie dem Jura oder dem Schweizer Mittelland.

  • Seit den 1990er Jahren stieg die Wildsino-Bestandsdichte in über 30 Prozent der Waldgebiete in der Schweiz.
  • In Aargau stieg die Anzahl der Wildsinopaare von 120 (2018) auf über 300 (2023) durch gezielte Bruthilfen.
  • In naturnahen Wäldern (mindestens 20 Prozent natürliche Strukturen) ist die Hase-Dichte um bis zu 40 Prozent höher.
  • Die Reform des Jagdgesetzes 2022 führte zu längeren Jagdzeiten und Einschränkungen bei der Bejagung von Jungtieren.
  • Das Bundesgesetz über die Förderung der biologischen Vielfalt hat seit seiner Einführung gezielte Hegeprogramme für Wildtiere ermöglicht.

Doch trotz dieser Fortschritte bleibt die Situation ungleich verteilt. Während in einigen Kantonen wie Graubünden oder Wallis die Wildsinos wieder häufiger zu sehen sind, kämpfen sie in anderen Regionen, wie in der Schweizischen Tiefebene, noch immer mit dem Verlust von Lebensräumen. Hier spielen lokale Initiativen eine entscheidende Rolle, etwa durch die Schaffung von „Wildsino-Gärten“, in denen Hausgärten als zusätzliche Brut- und Überwinterungsplätze ausgebaut werden.

Die Zukunft der Wildsinos: Zwischen Schutz und menschlicher Präsenz

Die Rückkehr der Wildsinos ist ein Zeichen dafür, dass die Schweiz ihre ökologischen Ziele erreichen kann – auch wenn sie nicht überall gleich erfolgreich sind. Entscheidend wird sein, dass diese Erfolge nicht nur auf staatlicher Ebene, sondern auch in der Praxis umgesetzt werden. Besonders wichtig ist es, die Balance zwischen Naturschutz und menschlicher Nutzung zu finden. In vielen Regionen gibt es bereits erfolgreiche Modelle, bei denen Landwirte und Naturschützer zusammenarbeiten, um Lebensräume zu schaffen, die sowohl für die Tiere als auch für die Wirtschaft wertvoll sind.

Ein weiteres Thema ist die Sensibilisierung der Bevölkerung. Viele Menschen kennen Wildsinos nur noch aus der Ferne oder aus Geschichten über ihre Bedrohung. Durch Aufklärungskampagnen und Bildungsprogramme in Schulen soll das Interesse an der Rückkehr dieser Tiere gesteigert werden. Gleichzeitig müssen wir uns der Herausforderungen bewusst sein, die durch den Klimawandel entstehen könnten. Warme Winter können die Überlebensrate der Jungtiere beeinträchtigen, und trockene Sommer können die Nahrungsgrundlage reduzieren. Doch selbst hier zeigt sich, dass Anpassungsstrategien wie die Schaffung von Wasserstellen oder die Auswahl robuster Pflanzenarten helfen können.

www.wildsino-ch.ch bietet eine umfassende Übersicht über die aktuellen Projekte und Initiativen zur Wildsino-Rückkehr in der Schweiz. Dort finden Interessierte nicht nur wissenschaftliche Daten, sondern auch konkrete Tipps, wie sie selbst einen Beitrag leisten können – sei es durch die Gestaltung ihres Gartens oder durch die Unterstützung lokaler Naturschutzprojekte.

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